Von der Ermutigung zur Verkündigung


– sich den Text vorlesen lassen


 
Viele Stimmen, die durcheinanderrufen, werden schnell zu einer Kakophonie: unangenehm und unharmonisch. Die Rufenden, die am Anfang des zweiten Teils des Prophetenbuches Jesaja ihre Stimmen erheben, um Trost verkünden, die Vergänglichkeit der Menschen zu thematisieren, den Advent und die Macht Gottes zuzusagen, lassen jedoch eine Symphonie des Heils erklingen.

Die erste Stimme des Heils erklingt aus dem Himmel.„Tröstet, tröstet mein Volk, sagt euer Gott.“ (Jesaja 40,1). Das Volk kann sich den Mut nicht selbst zusprechen, die Ermutigung kommt als Gottesauftrag. Die Geschichte und somit die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk hat sich gewandelt. Die Strafzeit Israels ist vorüber, die Sünde vergeben, die Schuld beglichen. Israel wird sein Exil in Babylon wieder verlassen können.

Eine zweite, Leben ermöglichende Stimme erklingt in der Wüste. Die geheilte Beziehung zwischen Gott und seinem Volk wird zu einem Triumphzug, in dem das Volk von seinem Gott zurück nach Jerusalem geleitet werden wird. Gott wird sein Volk Israel wieder durch die Wüste in das Verheißene Land führen – diesmal jedoch auf geradem Weg. Im Alten Orient war es üblich, für Reisen von Königen oder für große Armeetruppenbewegungen die Windungen der Wege zu begradigen und unpassierbare Stelle einzuebnen. Die Stimme in der Wüste verkündet aber mehr als dies. Sie verkündet ein Wunder – die Natur wird sich vor diesem König und seinem Geleit verbeugen, den Weg freigeben und Zeugnis geben für seine Macht.

Diese Verheißung ist zugleich die Aufforderung zur Verkündigung der Macht Gottes, die von einer weiteren himmlischen Stimme eingefordert wird. Die einzelnen Teile der Schöpfung sind vergänglich, allein Gottes Zusagen, seine Worte sind unvergänglich. Er ist der Gott seines Volkes, er spricht ihnen zu „Fürchte dich nicht!“ (Jesaja 40,9) und er erweist sich als der gute Hirte, der seine Herde von Weideplatz zu Weideplatz, zur Wasserstelle und zum Ruheort führt.1

Die tröstenden Stimmen ermutigen zum neuen Leben, das durch das Kommen Gottes ermöglicht wird. Aus dem Himmel und auf der Erde erklingt die frohe Botschaft, die dem Volk zugesprochen werden muss, damit es selbst zum Botschafter der kommenden Freude werden kann.


Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am Zweiten Adventssonntag (Lesejahr B):2

1 Tröstet, tröstet mein Volk, sagt euer Gott. 2 Redet Jerusalem zu Herzen und ruft ihr zu, dass ihr Dienst erfüllt ist, dass ihre Schuld bezahlt ist, dass sie empfangen hat aus der Hand JHWHS das Doppelte für alle ihre Sünden. 3 Eine Stimme ist rufend in der Wüste: Bahnt JHWH einen Weg, begradigt in der Steppe eine Strecke für unseren Gott. 4 Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und jeder Hügel sich senken. Das Krumme soll zum Geraden werden, das Geröll zur Ebene. 5 Offenbar wird die Herrlichkeit JHWHs und alles Fleisch wird es gemeinsam sehen, denn der Mund JHWHs hat gesprochen. 6 Eine Stimme sagt: Ruf! – und einer sagt: Was soll ich rufen? Alles Fleisch ist Grünzeug und alle seine Treue wie das Feldgewächs. 7 Das Grünzeug verwelkt, das Gewächs vergeht, wenn Gottes Wind es anbläst. Wahrhaftig, Grünzeug ist das Volk. 8 Das Grünzeug verwelkt, das Gewächs vergeht, doch das Wort unseres Gottes kommt zustande auf Dauer. 9 Auf einen hohen Berg geh hinauf, Zion, du Frohbotschafterin. Erhebe mit Kraft deine Stimme, Jerusalem, Du Frohbotschafterin. Erhebe, fürchte dich nicht! Sag den Städten Judas: Siehe, euer Gott. 10 Siehe, JHWH, der Herr, kommt mit Stärke. Sein Arm übt Herrschaft aus. Siehe, sein Lohn ist mit ihm, sein Ertrag geht ihm voraus. 11 Wie ein Hirte seine Herde weidet, so wird er auf seinem Arm die Lämmer sammeln und in seinem Gewandbausch wird er [sie] tragen, die Mutterschafe wird er führen.

Jesaja 40,1-5.9-11

Autor des Blogs:

Till Magnus Steiner

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Fußnoten

  1. Siehe zum Hirtenbild: “Der Hirte und seine Hirte“.
  2. Für die Lesungen sind in der Liturgie nur die fettgedruckten Verse vorgesehen.

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