Ein Prophet wie Mose


– sich den Text vorlesen lassen


 
Gott macht den stotternden Mose1 zum größten Propheten Israels: „Niemals wieder ist in Israel ein Prophet wie Mose aufgetreten.“ (Deuteronomium 34,10). Er stellt sich dem Pharao entgegen, vollbringt Wunder und trotz seiner schwerfälligen Zunge ist das gesamte Buch Deuteronomium seine Rede, in der er vor dem Eintritt in das verheißene Land dem Volk Gottes dessen Gesetze und Rechtssatzungen darlegt.2

Israel selbst hatte am Berg Sinai darum gebeten, nicht selbst die Stimme Gottes zu hören, sondern den Willen Gottes durch einen Künder verkündet zu bekommen. Die Stimme Gottes ängstigt das Volk und wer gar Gottes Angesicht sieht, der muss sterben.3 Mose war der größte Prophet Israels und keiner wird ihm vergleichbar sein, denn „ihn hat JHWH von Angesicht zu Angesicht erkannt“ (Exodus 34,10). Für die Zeit nach Moses Tod verkündet Gott, dass er Propheten4 in Israel berufen wird, die wie Mose dem Volk Gottes Willen mitteilen werden. Gott sagte zu Mose: „Einen Propheten wie dich werde ich aus dem Innersten ihrer Brüder erstehen lassen. Ich werde meine Worte in seinen Mund legen und er wird zu ihnen alles das sagen, was ich ihm befehlen werde.“ (Deuteronomium 18,18).

Gott wird weiterhin seinen Willen durch Menschen kundtun. Aber woran wird man erkennen, dass diese Propheten im Auftrag Gottes handeln? Woran erkennt man das Wort Gottes im Menschenwort? „Wenn der Prophet im Namen JHWHs spricht und das Wort geschieht nicht und es trifft nicht ein – das ist das Wort, das nicht das Wort JHWHs ist.“ (Deuteronomium 18,22). Den wahren Propheten erkennt man erst im Nachhinein an den Früchten seiner Worte. Im Neuen Testament wird Jesus im Johannes-Evangelium als der Prophet wie Mose dargestellt und verstanden.5 Im Koran ist es Mohammed, der der neue Mose sein soll und dieselbe Offenbarung wie er erhalten haben soll.6



Meine Arbeitsübersetzung der alttestamentlichen Lesung am 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:

15 Einen Propheten wie mich, aus deinem Innersten, aus deinen Brüdern, wird JHWH, dein Gott, dir erstehen lassen – ihm sollt ihr gehorchen. 16 Ganz wie du es von JHWH, deinem Gott, am Horeb am Tag der Versammlung erbeten hast: Ich will nicht fortsetzen die Stimme JHWHs, meines Gottes zu hören und dieses große Feuer will ich nicht mehr sehen – denn nicht will ich sterben. 17 Und JHWH sprach zu mir: Sie haben gutgetan, mit dem was sie gesprochen haben. 18 Einen Propheten wie dich werde ich aus dem Innersten ihrer Brüder erstehen lassen. Ich werde meine Worte in seinen Mund legen und er wird zu ihnen alles das sagen, was ich ihm befehlen werde. 19 Es wird geschehen: Den Mann, der nicht auf meine Worte, die er in meinem Namen sprechen wird, hören wird, werde ich zur Rechenschaft ziehen. 20 Allerdings, der Prophet, der sich anmaßt ein Wort in meinem Namen zu sprechen, das ich ihm nicht befohlen habe zu sprechen, oder er spricht im Namen eines anderen Gottes – tot soll jener Prophet sein. 21 Und wenn Du in deinem Herzen sagst: Wie kann ich erkennen das Wort, das JHWH nicht gesprochen hat. 22 Wenn der Prophet im Namen JHWHs spricht und das Wort geschieht nicht und es trifft nicht ein – das ist das Wort, das nicht das Wort JHWHs ist. In Vermessenheit hat der Prophet sein Wort gesprochen – habe keine Angst vor ihm.


Autor des Blogs:

Till Magnus Steiner

Promovierter katholischer Theologe, Exeget und Blogger, der in Jerusalem lebt und arbeitet.

Fußnoten

  1. Vgl. Exodus 4,10.
  2. Der Verkünder Gottes Willen wird Israel nicht bei der Landnahme beistehen, er wird nicht auf die Einhaltung Gottes Gebote achten, sondern Gott lässt ihn an der Grenze des Landes, das den Erzeltern als Besitz verheißen wurde, sterben.
  3. Vgl. Exodus 33,20.
  4. Im hebräischen Text wird von einem Propheten im Singular gesprochen. Allerdings wird ebenso im Königsgesetz von einem König im Singular gesprochen (vgl. Deuteronomium 17,14-20), womit jedoch alle Könige gemeint sind. Der hebräische Text gibt somit beide Rezeptionswege frei: Bezieht sich die Aussage auf einen spezifischen Propheten in der Zukunft oder die in der Geschichte Israels auftretenden Propheten wie Jesaja, Jeremia, Ezechiel etc.?
  5. Vgl. Johannes 5,46; 6,14; 7,40.
  6. Vgl. Sure 11,110; 42,13.

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